Blutdruckwerte verstehen und bewerten

Um Hypertonie zu behandeln, müssen die Blutdruckwerte bekannt sein. Doch viele Menschen messen nicht regelmäßig und kennen daher ihren Blutdruck gar nicht.

Regelmäßiges Blutdruck messen

Bluthochdruck ist eine lebensbedrohliche und weit verbreitete Erkrankung. Krankenkassen und Mediziner sprechen gar von einer Volkskrankheit. Das ist umso überraschender, da praktisch jeder zuhause selbst einfach und preiswert seinen Blutdruck bestimmen und so ggf. Bluthochdruck vermeiden könnte. Die eigenen Blutdruckwerte zu ermitteln ist leicht. Mit einfachen Messgeräten fürs Handgelenk ist die Blutdruck-Messung nicht viel komplizierter als die Bestimmung des Körpergewichts mit einer Personenwaage.

Genau wie das Gewicht sind auch die Blutdruckwerte wichtige Indikatoren für unsere Gesundheit. Viele Mediziner und Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass die meisten Zivilisationskrankheiten durch regelmäßiges Messen vermieden werden könnten – vorausgesetzt man interpretiert die Werte richtig und steuert bei Bedarf dagegen. Selbstverständlich ist es mit dem Erheben von Messdaten allein noch nicht getan. Aber sie sind ein erster Schritt und eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit.

Fast jeder Mensch hat im Badezimmer eine Personenwaage. Die einen wiegen sich täglich, andere wiederum standen schon seit Jahren nicht mehr drauf. Um zu wissen, ob man zu viele Pfunde auf den Rippen hat, ist das auch gar nicht unbedingt notwendig. Ein Blick in den Spiegel reicht da schon. Wer sich unsicher ist, braucht es nur einmal nackt versuchen. Oder er kann sich in die Hose zwängen, die letztes Jahr noch gepasst hat. Manchmal helfen bei der Einschätzung auch Familie, Freunde oder Kollegen: Hast du zugenommen?

Eigentlich brauchen wir also gar keine Waage, um zu wissen, dass wir zu dick sind. Gleichwohl haben wir irgendwo meist eine herumstehen.

Unbekannte Blutdruckwerte

Anders verhält es sich mit Blutdruckmessgeräten. Längst nicht alle besitzen eines und noch weniger Menschen nutzen es regelmäßig. Dabei ist eine Blutdruckmessung noch viel wichtiger als der Gang auf die Waage. Der Blutdruck lässt sich nämlich nicht nackt vorm Badezimmerspiegel ablesen. Er verrät sich nicht durch zu enge Kleidung. Ja, selbst die lieben Freunde und Verwandten können einen zu hohen Blutdruck kaum vom Gesicht des Betroffenen ablesen.

Menschen mit zu hohem Blutdruck führen ein ganz normales Leben, ohne ihr tatsächliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu kennen. Zu einem normalen Leben sollten aber auch regelmäßige Messungen gehören. Eine Blutdruckmessung sollte bei der Häufigkeit dem Gang auf die Personenwaage nicht nachstehen. Im Gegenteil. Gerade beim leisesten Verdacht auf Hypertonie sollte der Blutdruck in regelmäßigen Abständen gemessen werden. Am besten täglich, bei Bedarf auch mehrmals. Natürlich sind die Messungen beim Arzt präziser. Doch für eine erste Standort-Bestimmung reichen auch einfache Geräte für den Hausgebrauch aus.

Wichtig ist aber in jedem Fall, dass man die ermittelten Blutdruckwerte richtig versteht. Zwar verfügen einige Blutdruckmessgeräte über eine Ampeldarstellung, die zeigt, ob alles im grünen Bereich ist oder wann es kritisch wird. Die meisten Geräte aber geben lediglich zwei Werte an, die richtig interpretiert werden müssen.

Wenn ein im Gerät eingebautes Beurteilungs-System fehlt, hilft eine Blutdruck-Tabelle. Mit ihrer Hilfe können die Blutdruckwerte eingeordnet und beurteilt werden. So können auch medizinische Laien schnell selbst einschätzen, ob alles okay ist oder doch lieber ein Arzt aufgesucht werden sollte. Auch hier gilt: Im Zweifelsfall lieber zum Arzt!

Zwar wird der Blutdruck meist im Ruhepuls gemessen. Doch gibt dieser nicht immer zuverlässig Auskunft darüber, ob alles in Ordnung ist. Darüber hinaus ist ein einzelner Messwert allein kaum aussagekräftig genug. Für eine fundierte Beurteilung sollte der Blutdruck zudem mehrmals am Tag gemessen werden. So lassen sich Blutdruck-Schwankungen unter Stress oder bei Anstrengungen eher abschätzen.

Die korrekte Messung zur Ermittlung der Blutdruckwerte

Bei der Blutdruckmessung werden immer zwei Werte ermittelt. Viele Geräte zeigen zudem noch den Puls an. Der systolische und diastolische Wert müssen im Verhältnis zueinander gesetzt und interpretiert werden. Die Maßeinheit für den Blutdruck lautet Torr bzw. Millimeter-Quecksilbersäule oder mmHg. In der Praxis nennt man aber einfach nur beide Werte hintereinander, den oberen (systolischen) zuerst. Mit 120 zu 70 können die meisten Menschen etwas anfangen. Selbst Ärzte bestehen mittlerweile nicht mehr darauf, Patienten mit Details oder Medizinersprache zu verwirren.

Hier finden Sie eine einfache Tabelle für Blutdruckwerte und die Eingruppierung gemäß Einschätzungen der WHO.

Tabelle Blutdruckwerte

Bewertung systolisch diastolisch
niedrig < 105  < 65
optimal < 120  < 80
normal < 130 < 85
hoch-normal 130-139  85-89
Hypertonie 1. Grades  140-159 90-99
Hypertonie 2. Grades  160-179 100-109
Hypertonie 3. Grades  > 179 > 109

Ein Blutdruck von 120 zu 70 ist optimal

Man sollte fast meinen, dass in Deutschland, wo es für alles eine Norm gibt, auch der Blutdruck klar geregelt ist. Das ist nur zum Teil richtig. Tatsache ist, dass die Definition von Blutdruckwerten sogar international einheitlich ist. So werden die aktuellen Normwerte für Blutdruck von der Weltgesundheitsorganisation WHO in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie der International Society of Hypertension herausgegeben – und regelmäßig aktualisiert.

Dennoch lässt sich nicht erreichen, dass alle immer über den aktuellen Kenntnisstand verfügen. So hält sich beispielsweise in den Köpfen immer noch eine ebenso alte wie gefährliche Faustformel für „normalen“ Blutdruck: 100 plus Alter für den systolischen (oberen) Wert.

Orientiert man sich an den aktuellen WHO-Richtwerten, so beginnt Bluthochdruck ab 140 mmHg im systolischen und 90 mmHg im diastolischen Bereich. Ein Blutdruck ab 140 zu 90 – so formuliert man es vereinfacht – ist also schon zu hoch. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man immer wieder diesen (bereits zu hohen) Wert kommuniziert. Wäre es nicht viel „gesünder“, wenn man stattdessen häufiger den anzustrebenden Wert von 120 zu 70 nennen würde?

Doch ich will mich nicht in Kleinigkeiten ergehen. Viel besorgniserregender finde ich, dass es immer noch viele Menschen gibt, die einen oberen (systolischen) Wert von 160 oder gar 180 noch als normal ansehen. Das ist im Ruhezustand definitiv zu hoch. Gleichwohl darf nach heutigem Wissen der Normalwert von 120 zu 70 durchaus auch mal leicht überschritten werden, ohne dass die Person gleich therapiert werden müsste.

Blutdruckwerte oberhalb von 140 zu 90

Werte oberhalb von 140 zu 90 gelten aber in jedem Fall als Bluthochdruck. Den Grenzbereich um diesen gerade noch tolerierbaren Wert nennt man hoch-normale Hypertonie.

Auch von dieser Begrifflichkeit halte ich nicht viel. Zwar kann ein Glas halb voll und zugleich auch halb leer sein. Doch meiner Erfahrung nach neigen die meisten Menschen mit einem Blutdruck in diesem Grenzbereich dazu, die Sache zu verharmlosen. Nicht selten wird dann sogar schon mal das „hoch“ weggelassen und schon wird ein Blutdruck von 140 zu 90 normal. Erst recht, wenn gerade Ältere sich noch an die früher übliche Normwert-Regel von „Alter plus hundert“ erinnern. Dazu bietet die schwammige Formulierung ja auch alle Gelegenheit.

Ich finde es bedenklich, dass man einen im Prinzip schon langfristig kritischen Zustand auf eine gerade noch normale Ebene herunterzieht. Wie auch immer, ein hoch-normaler gilt in jedem Fall als kritisch und sollte beobachtet werden. Diese Phase der reinen Beobachtung hat man in jedem Fall überschritten, wenn der Blutdruck im Ruhezustand noch höher steigt.

Selbstverständlich gibt es auch für diese Werte jenseits des hoch-normalen Blutdrucks weitere Unterteilungen. Wie schon beim Grenzbereich zwischen normal und hoch-normal wird es dadurch aber nicht besser. Oder würden bei Ihnen bei Begriffen wie Hypertonie ersten, zweiten oder dritten Grades die Sorgenfalten tiefer?

Tatsächlich aber nennt die WHO genau diese Bezeichnungen für alle Blutdruckwerte oberhalb des hoch-normalen Blutdrucks von 140 zu 90. Folglich gilt ein Blutdruck mit Werten bis 159 bzw. 99 als Hypertonie ersten Grades, bis 179 bzw. 109 als zweiten Grades und noch höhere Werte als Hypertonie dritten Grades.

In keinem Fall bedeutet das aber, dass Maßnahmen erst ab einer Hypertonie ergriffen werden müssen. Auch in früheren Stadien ab einem hoch-normalen Blutdruck sind Maßnahmen empfohlen und ab der Diagnose Hypertonie unbedingt erforderlich.

„Endlich im Griff: Bluthochdruck“ als Buch

Die kompletten Informationen zu diesem Thema sind auch als Buch erschienen. Es ist als Softcover und als E-Book erhältlich.